Wissenschaftlicher Austausch und internationale Vernetzung

Der Soziologe Robert K. Merton definierte in den 1940er Jahren vier Normen ethischer Wissenschaft (communism, universalism, disinterestedness, organized scepticism, kurz C. U. D. O. S.) (Reinhart, 2012). Eines dieser Prinzipien, eine Art Wissenskommunismus, beinhaltete die Forderung, dass das Produkt wissenschaftlicher Arbeit, das Wissen, in den gemeinsamen Besitz aller √ľbergehen soll, w√§hrend sich der Besitzanspruch des Einzelnen auf soziale Anerkennung (z.B. Preise, Namensgebung, zitieren des Autors) beschr√§nkt.

Forderungen zur Offenlegung von wissenschaftlichen Daten finden sich bereits in den 1970er Jahren in Vereinbarungen der NASA mit ihren internationalen Partnern, sowie in den 1990er Jahren im Zuge einer Diskussion um einen offenen und freien internationalen Austausch von wissenschaftlichen Daten (insbesondere umweltbezogene und meteorologische Daten), zu dessen Bef√ľrwortern u. a. der Nationale Forschungsrat der USA, die OECD (Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die WMO (Weltorganisation f√ľr Meteorologie) z√§hlten.

Eine wichtige Rolle f√ľr die √Ėffnung von Geodaten spielen die Normungen der ISO und die Spezifikationen des OGC seit Mitte der neunziger Jahre, die die technologische Basis der Entwicklungen nationaler (z.B. GDI-DE, geo.admin.ch, Geoland.at) und internationaler Geodateninfrastrukturen (z.B. INSPIRE, GSDI) darstellen. Diese Aktivit√§ten bedeuten nicht per se freien Zugang zu Geodaten und Services f√ľr jedermann, sondern dienen auch der Zusammenarbeit zwischen √∂ffentlichen Beh√∂rden und dem Vertrieb von Geoinformationen als Handelsware. Sie schufen jedoch die technischen Voraussetzungen f√ľr die Nutzbarmachung (d.h. Zugang Verkn√ľpfung und Integration in automatisierte Arbeitsabl√§ufe) der heute zunehmend offen verf√ľgbaren Datens√§tze.