Technisches Biomassepotenzial

Das technische Biomassepotenzial leitet sich von dem theoretischen Biomassepotenzial unter der Berücksichtigung von technischen, physikalischen und sozio-ökologischen Faktoren ab (Kaltschmitt et al. 2016). Zu technischen und physikalischen Einschränkungen gehören Faktoren wie Bergungsrate und Lagerverluste. Die ebenfalls „unüberwindbaren“ sozio-ökologischen Faktoren beinhalten gesetzlich oder gesellschaftlich verankerte Restriktionen wie (Natur-) Schutzgebiete oder der Erhalt der natürlichen Bodenfruchtbarkeit. „Das technische Biomassepotenzial beschreibt folglich die zeit- und ortsabhängige, primär aus technischer Sicht stofflich oder energetisch nutzbare Menge einer Biomasse. Bei einigen Abfällen und Reststoffen können theoretisches und technisches Biomassepotenzial als deckungsgleich betrachtet werden, insbesondere dann, wenn das Potenzial direkt an den Produktionsprozess des Hauptproduktes gekoppelt ist.“ (Brosowski et al. 2015, S. 5)

Beispiel Forstwirtschaft: Berücksichtigung von Ernteverlusten, nicht begehbare Waldflächen (z.B. im Hochgebirge), Kernzonen von Nationalparks

Beispiel Landwirtschaft: Zur Bewahrung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit verbleiben bestimmte Strohmengen auf dem Acker (ausgeglichene Humusbilanz), Berücksichtigung von Ernteverlusten, Anbauarten (z.B. hat ökologischer Getreideanbau ggf. geringere Erträge), Haltungsmodelle in der Viehwirtschaft (Weide/Stall)

Beispiel Reststoffe: Verluste aufgrund des Sammelsystems, Auftreten von Störstoffen (z.B. Plastik in der Biomülltonne)

Überlegen Sie sich anhand einer Biomasse Ihrer Wahl, welche Restriktionen Sie bei der Betrachtung des technischen Biomassepotenzials berücksichtigen müssen.

Bei landwirtschaftlichen Nebenprodukten, wie z.B. Stroh muss oft ein Teil der Biomasse zum Erhalt der Humusbilanz auf dem Feld verbleiben. Üblicherweise wird dies als Restriktion gehandhabt. Andererseits könnte dies auch als stoffliche Nutzung berücksichtigt werden. Überlegen Sie sich, wie Sie sowas einordnen würden und dokumentieren Sie es in den Übungen.